Techniken:

Knietechniken (Kao)

Kein asiatischer Kampfsport hat die Knietechniken in einem solchen Masse vervollkommnet wie das Muay-Thai. Die Knietechniken sind sehr harte Waffen. Sie können die Oberschenkel, den Körper und den Kopf treffen, und werden im Wettkampf sehr oft angewandt. Die Kniestösse können grob in solche mit und solche ohne Umklammerung des Gegners gegliedert werden. Die meisten Kniestösse werden geschlagen, nachdem der Gegner erfasst wurde. Die Kniestösse im Clinch sind am effektivsten. Richtig umklammert gelangt der Gegner in eine sehr gefährliche Lage, aus der er sich nur schwer befreien kann. Wichtig dabei ist die richtige Grifftechnik um die Knieschläge effektiv ausführen zu können, und auch sich selbst vor Knie-Attacken zu schützen.

Fausttechniken (Mad)

Die Fausttechniken sind äusserst effektiv. Die meisten K.O.s werden mit Faust- oder Ellenbogentechniken erzielt. Es ist sehr wichtig, darauf zu achten, dass bei der Ausführung eines Fausstosses der Kopf durch die andere Hand gedeckt wird. Ausserdem muss die Schulter des schlagenden Armes angehoben werden um das Kinn zu schützen, da das Kinn ein gefährlicher K.O.-Punkt ist. Man sollte sich nicht auf Einzelschläge verlassen, sondern immer mit Schlagserien angreifen. Im Gegensatz zum westlichen Boxen ist im Muay-Thai bei den Fausttechniken auch der gedrehte Rückwärtstfaustschlag erlaubt.

Ellenbogentechniken (Sok)

Der Ellenbogen ist die gefährlichste Waffe des menschlichen Körpers. Die Ellenbogenschläge werden sowohl in der nahen Schlagdistanz als auch im Clinch ausgeführt. Im Muay-Thai gibt es 8 Grundellenbogentechniken und unzählige weitere Ellenbogentechniken. In keiner anderen Kampfsportart wurden die Ellenbogentechniken so perfektioniert wie im Muay-Thai. Ein Treffer mit dem Ellenbogen zum Kopf führt meistens zum K.O. Da im Muay-Thai beim Wettkampf auch Ellenbogentechniken zum Kopf erlaubt sind, ist eine gute Kopfdeckung sehr wichtig. Aufgrund der Gefährlichkeit der Ellenbogenschläge widmen die Thai-Boxer eine grosse Aufmerksamkeit der Verteidigung gegen Ellenbogenschläge. Ellenbogentechniken eignen sich auch hervorragend zur Selbstverteidigung auf der Strasse, weil auch körperlich schwächere Personen in der Lage sind mit den Ellenbogen extrem hart zuschlagen zu können.

Clinch

Das Clinchen ist das härteste und anstrengendste im Wettkampf. Im Clinch, wo in anderen Kampfsportarten der Kampfrichter dazwischen geht und unterbricht, wird im Muay-Thai nicht unterbrochen, sondern weitergekämpft und es werden Serien von Knie- und Ellenbogenschlägen ausgeteilt. Es gibt keinen Wettkampf, in dem nicht zu sehen ist, dass die Muay-Thai Boxer, sich gegenseitig haltend, Kniestossserien wechseln. Wer sich nicht persönlich überzeugt hat, ahnt nicht, wieviel Anstrengung das Clinchen beansprucht. Es gibt im Clinch unzählige ringkampfähnliche Griffe unter gleichzeitiger Anwendung von Knie und Ellenbogentechniken. Es ist dabei sehr wichtig zu erlernen, sich der gegnerischen Kraft zu bedienen und diese in eine für uns günstige Richtung umleiten zu können.



Hier werden auch die Befreiungstechniken aus verschiedenen Griffen, mit denen uns der Gegner in einer gefährlichen Lage hält, erlernt. Die Thailänder haben die Grifftechniken im Clinch zu einer sehr hohen Kunst entwickelt. Im Clinch ist der Kämpfer im Vorteil, der den inneren Griff erreichen kann, da man aus dieser Position den Gegner besser kontrollieren kann, sein Gleichgewicht leicht brechen kann und Knietechniken erfolgreicher ins Ziel bringen kann. In den thailändischen Proficamps wird der Übung der Grifftechniken besondere Aufmerksamkeit und ein langes Training gewidmet. Nur wer ein hohes Repertoire an Grifftechniken beherrscht, kann auch im Clinch effektive Knie- und Ellenbogentechniken anbringen bzw. vermeiden dass man getroffen wird. Es gibt im Muay-Thai auch unzählige Wurftechniken im Clinch. Nicht die Kraft ist im Clinch entscheidend, sondern wer die bessere Technik hat. Wer im Clinch nur mit roher Kraft arbeitet ist für einen technisch versierten Thaiboxer eine leichte Beute.

Beintechniken (Theep/Dae)

Die Beintechniken im Muay-Thai unterscheiden sich deutlich von den entsprechenden Techniken anderer ähnlicher Kampfkünste. Die Fusstritte, die beim Muay-Thai ausgeführt werden, gehören zu den sogenannten "durchstossenden Techniken". Diese Tritte werden nämlich so geführt, als ob der Gegner mit dem Fuss "durchtreten" wird. Es wird mit der Kraft des ganzen Körpers und nicht nur des Beins zugeschlagen. Die Techniken werden hauptsächlich an den Pratzen geübt, wo man sie ohne Abzustoppen mit voller Kraft ausführen kann. Der zweifellos effektivste und härteste Tritt ist der Lowkick auf die Beine. Er ist nur sehr schwer abzuwehren, da er einen sehr kurzen Weg hat. Bei der Ausführung eines Fußtritts muss die größte Aufmerksamkeit der Kopf- und Körperdeckung gewidmet werden, da jeder Gegenschlag sehr gefährlich sein kann, wenn wir nur auf einem Fuß stehen. Gesprungene Fußtritte zum Kopf werden zwar in Kampfsportfilmen oft gezeigt, weil sie schön aussehen, sind aber in der Realität nicht sehr effektiv. Da ihnen leicht ausgewichen werden kann, ist das Risiko, nach dem Sprung einen Treffer einzustecken sehr groß. Auch Fersendrehschläge werden zwar in Kampfsportfilmen gern gezeigt, sind aber sehr leicht abzuwehren, bzw. der Gegner kann ihnen unschwer ausweichen, da der Weg, den das Bein zurücklegen muss, ziemlich lang und kompliziert ist. Auch Doppelfussstösse (Hier kombiniert der Kämpfer zwei Fussstösse gleicher oder unterschiedlicher Art miteinander, ohne den Fuß des tretenden Beins wieder abzusetzen) bringen in der Realität absolut nichts, da die Trefferwirkung zu gering ist und man viel zu lang auf einem Bein steht, und deshalb Gefahr läuft gefährliche Kontertreffer abzukriegen.